Fertighaus vs. gemauertes Haus

Wieder ein Bau-Thema mit teilweise fast schon fanatischen Anhängern die ihre Sicht der Dinge auch entsprechend vertreten. Deshalb gleich dazu: wir schildern hier nur unsere Meinung bzw. vor allem die Punkte, die für unsere Entscheidung wichtig waren.

Im folgenden bezeichnen mit „Fertighaus“ ein Haus in Holzständerbauweise, auch wenn es noch weitere, exotischere, Varianten gibt.

Vorteile Fertighaus

Ganz objektiv betrachtet bietet ein Fertighaus aus unserer Sicht vor allem folgende Vorteile:

  • Schneller Aufbau (aber nicht unbedingt schneller Einzug, s. u.)
  • Häufig gute Energiewerte, da viel Platz für Dämmung in der Wand ist. KfW-40 ist da gut machbar.

Nachteile Fertighaus

… und folgende Nachteile:

  • geringere Standzeit, laut Lehrmeinung ca. 60 Jahre
    … wird zwar von den Verkäufern gerne bestritten, aber wer schon mal ein 40 Jahre altes Fertighaus gesehen hat und über Renovierungsoptionen nachgedacht hat wird da vermutlich wenig Zweifel haben.
  • Lange Wartezeiten auf den Baubeginn machen momentan häufig die Vorteile des schnellen Baues zunichte und den sehr baldigen Einzug zum Wunschtraum.
  • Nicht günstiger – oft sogar teurer als Massivbauweise
  • Potentielle Probleme mit Dampfsperre bei einschaliger Bauweise (s. u.).

Alles zusammen hat uns dazu bewogen ein Massivhaus zu bauen.

Potentielle Probleme mit Dampfsperre

Der zuletzt aufgeführte Nachteil bedarf gerade für Einsteiger einiger Erläuterung. Dieses Problem wird auch gerne abgestritten, ist aber unserer Ansicht nach sehr relevant.

Hintergrund: in jeder Außenwand bzw. deren Dämmung befindet sich bei hinreichend niedriger Außentemperatur irgendwo der Taupunkt. Zu diesem sollte keine (bzw. zumindest nicht zu viel) feuchte Innenluft vordringen, da sich dort dann Kondenswasser bilden würde. Dies würde wiederum dazu führen, dass die Dämmwerte schlechter werden würden und vor allem besteht die große Gefahr von Schimmelbildung. Um dies zu verhindern wird auf der Seite der Dämmung, die zum Innenraum zeigt eine Dampfsperre oder Dampfbremse angebracht.
Dieser Teil ist einfache Physik und damit relativ unbestritten.

Vereinfachte Skizze des Temperaturverlaufs in der Dämmung mit Dampfsperre
Vereinfachte Skizze des Temperaturverlaufs und des Taupunkts in der Dämmung

Bei einer „normalen“ Ständerbauweise wird die Elektroverkabelung innerhalb der Dämm-Ebene durchgeführt. Vor dieser befindet sich die oben schon erwähnte Dampfsperre. Für jede Steckdose und jeden Schalter muss diese dampfundurchlässige Schicht durchbrochen und entsprechend abgedichtet werden. Wird hier schlampig gearbeitet oder geht etwas durch Alter kaputt diffundiert feuchte Raumluft in die Dämmung. Dieses Problem merkt man  meistens erst sehr spät und hat dann entsprechend viel Ärger damit.
Grundsätzlich gibt es diese Durchbrüche durch die Dampfsperre fast immer und bei jeder Bauweise, nur sind es in diesem Fall sehr viele und dementsprechend das Risiko, dass an einer Stelle etwas mit der Abdichtung nicht passt viel höher.

vereinfachte Skizze des einschaligen Aufbaus mit der durchbrochenen Dampfsperre
vereinfachte Skizze des einschaligen Aufbaus mit der durchbrochenen Dampfsperre

Die Lösung wäre zwar eigentlich recht einfach indem man die Installationstechnik vor der Dampfsperre aufbaut, also eine zweischalige Bauweise wählt. Damit bleibt die Dampfsperre intakt und es sind wesentlich weniger Punkte abzudichten. Dies ist aber natürlich teurer und wird deshalb nur sehr selten gemacht.

vereinfachte Skizze des zweischaligen Aufbaus mit ununterbrochener Dampfsperre
vereinfachte Skizze des zweischaligen Aufbaus mit ununterbrochener Dampfsperre